Der Krimi mit der Fleischindustrie - Lesungen & Diskussionen 8. bis 10. Dezember (ergänzte Ankündigung)

Montag, 08.12.2014, 19.00 Uhr bis Donnerstag, 11.12.2014, 19.00 Uhr

tl_files/agrarwende/content/Termine/Lesungen Krimi Fleischindustrie/12.Tag.jpgWorum geht's?

für den 8., 9. und 10. Dezember (Oldenburg, Papenburg, Essen i. O.). organisieren die AbL, die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, die Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg, das Beratungsnetzwerk Faire Mobilität zusammen mit dem gewerkschaftlichen Bildungsträger Arbeit und Leben Lesungen und Diskussionen zur Fleischindustrie.
Anknüpfungspunkt ist der auch in der SPIEGEL-Bestsellerliste erfolgreiche Krimi Wolfgang Schorlaus. Von Tierqual, Industriebaronen, denen ihre Gewinne niemals hoch genug sind, in sklavenähnlichen Verhältnissen ausgebeuteten migrantischen ArbeiterInnen und in eine fiese Falle gelockten TierschutzaktivistInnen handelt der Krimi - ein Fall für den Stuttgarter Ermittler Georg Dengler:

Ein neuer Fall für Dengler: die schmutzigen Geschäfte der Massentierhaltungskonzerne

Georg Denglers Sohn Jakob ist verschwunden. Bereits seit drei Tagen! Denglers geschiedene Frau macht ihm die Hölle heiß: Finde unseren Sohn! Aber nicht nur Jakob ist unauffindbar. Auch Laura Trapp, die in Jakobs Parallelklasse geht, ist verschwunden. Ebenso Julian und Tim, zwei seiner Freunde.

Georg Dengler, der Stuttgarter Privatermittler, macht sich auf die Suche nach seinem Sohn und dessen Freunden. Er findet bei Jakob zu Hause Aufkleber, wie sie Unbekannte in den letzten Wochen auch in den Tiefkühltruhen von Supermärkten angebracht haben. »Dieses Fleisch stammt aus Massentierhaltung. Sie vergiften damit sich und ihre Familie«, steht darauf. Auf Jakobs Computer findet er Fotos und Filme aus Hühner- und Putenmastanlagen. Widerliche Fotos, eklige Filme, die das Elend der Tiere dokumentieren. Ist sein Sohn ein radikaler Tierschützer geworden? Wieso weiß er nichts darüber? Wieso kennt er seinen Sohn so wenig? So lernt Georg Dengler auf der Suche nach Jakob seinen Sohn erst wirklich kennen - und kommt den mörderischen Methoden in der Massentierhaltung und Lebensmittelindustrie auf die Spur.

Parallel zur Vater-Sohn-Geschichte treten Adrian und Kimi auf, zwei rumänische Schlachthofarbeiter, seit Monaten um ihren Lohn betrogen, vom rumänischen Unternehmer, von den als Menschenhändler und Subunternehmer tätigen Berliner Rockern wie auch dem selbstgewissen Schlachthofbetreiber Carsten Osterhannes. Ein Happy-End hat der Autor nicht für alle vorgesehen.

Die Eschborner Zeitung meinte:
»Ein echter literarischer Hammer. Eine investigative Krimiperle. Schorlau schafft es einen Spannungsbogen von Massentierhaltung, Menschenhandel bis hin zu EU Agrarförderung zu schlagen.«

Im Anschluss an die Lesung diskutieren Betroffene und VertreterInnen von gesellschaftlichen Gruppen, Initiativen und Verbänden u. a. über die Gegenwart und Zukunft der Erzeugung von Lebensmitteln, der Fleischindustrie, der (nicht nur) dort verbreiteten Beschäftigungs- und Lebensverhältnisse von Beschäftigten. Wir würden uns auf eine breite Beteiligung freuen am

  • 8. 12., 19 Uhr in Oldenburg, IBIS-Saal (unmittelbare Nähe Hauptbahnhof OL) Klävemannstr. 14, 26122 Oldenburg
  • 9. 12., 19.30 Uhr in Papenburg, Volkshochschule Papenburg, Hauptkanal rechts 72, 26871 Papenburg
  • 10. 12., 19 Uhr, in Essen (i. Oldenbg.), Hotel und Gaststätte "Zum Rathaus", Lange Straße 63, D-49632 Essen/Oldb.

Wer dort genau diskutieren wird, konnten wir bis Mitte November noch nicht verraten. Doch jetzt lüften wir das Geheimnis mit der folgenden ausführlichen Ankündigung:

Billigfleisch, Entsendung und Fleischmafia - Drei Veranstaltungen am 8., 9. und 10. Dezember in Oldenburg, Papenburg und Essen (i. O.)

Gewerkschafter, Bauern, Beratungsstellen und Erwerbslose laden ein zu drei Veranstaltungen im Nordwesten Niedersachsen, zum lange überfälligen Ende untragbarer Zustände in der Fleischindustrie.

Zusammen führt diese Organisationen ihre Kritik an Billigfleisch zum Preis
• von Massentierhaltung und -elend,
• fortgesetzt unwürdigsten Lebens- und Ausbeutungsverhältnissen der ArbeiterInnen im System illegaler Werkverträge,
• der ruinösen Folgen einer am Weltmarkterfolg orientierten Nahrungsmittel-Exportindustrie für
- die Ernährungssicherheit aller (Nahrung als Spekulationsobjekt),
- die Gesundheit der gesamten Bevölkerung (z. B. Antibiotikaeinsatz in der Tiermast und muliresistente Keime),
- der Umwelt (z. B. Trinkwasser) und
- der regionalen Erzeuger und Kleinbauern weltweit (z. B. Vertreibung vom Land).

Es treibt sie um die Frage: Was ist im Angesicht all dessen zu tun?

Immer noch setzen gewichtige Akteure in dieser Branche, in Verbänden und Politik auf Mitmachen und -profitieren, in der defensiven Variante auf Wegschauen, Wegducken und Schweigen oder üben sich im Schönreden und hoffen auf ein schnelles Vergessen dieses ‚heiklen Themas' in der Öffentlichkeit.

Die VeranstalterInnen wollen da nicht mitgehen und sehen sich darin bestätigt von großen Teilen der Bevölkerung.

Es gilt Verantwortung zu übernehmen und einzugreifen. Offen bleibt die Frage „Wie?"

Die drei Lesungs-, Informations- und Diskussionsveranstaltungen sollen an Brennpunkten der Fleischindustrie Stand- und Kritikpunkte klären und Perspektiven für die Entwicklung eines menschenwürdigen und ethisch vertretbaren Erzeugens von Lebensmitteln aufzeigen - so der Wunsch der beteiligten Vertretungen von abhängig Beschäftigen, Bauern und Erwerbslosen. Sie erwarten eine rege Beteiligung an der Diskussion in den Veranstaltungen.

Dazu laden sie ein zu drei Veranstaltungen an drei Orten mit je eigenem Charakter:

Am 8. 12. um 19 Uhr macht in Oldenburg die Veranstaltung in der IBIS-Halle (auch bekannt als Klävemann-Halle, Klavemannstr. 14) den Aufschlag.

Zusammen mit dem Autor Wolfgang Schorlau steht die Frage Ist Billigfleisch wirklich billig? - Oder wer zahlt den Preis? am Ausgangspunkt einer Runde, die in Oldenburg von IBIS, der interkulturellen Arbeits- und Beratungsstelle und vom Bund Umwelt und Naturschutz (BUND) des Ammerlandes maßgeblich unterstützt wird.

Es diskutieren im Podium:
• Matthias Brümmer für die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG)
• Guido Grüner für die Arbeitslosenselbsthilfe (ALSO)
• Monsignore Peter Kossen, für das Bischöfliche Offizialat Vechta, der bekannte Mahner aus dem Bereich der katholischen Kirche,
• Daniela Reim als Beraterin der Beratungsstelle für Mobile Beschäftigte aufgrund ihrer vielfältigen Erfahrungen aus der Arbeit mit in der Fleischindustrie Beschäftigten

Christina Gerlach, Journalistin des NDR, moderiert den Abend. Auf eine Beteilung des Oldenburger Arbeitgeberverbandes muss verzichtet werden. Dieser stand auf Anfrage „nicht zur Verfügung", wollte sich auf Nachfrage zu ‚diesem heiklen Thema nicht äußern' und auch keine anderen Ansprechpartner aus ihrem Bereich nennen.

Am 9. 12. findet die Reihe ihre Fortsetzung im emsländischen Papenburg, wo sich der Geschäftsführer des Tönnies-Schlachthofes in Sögel („Weidemark"), Joachim Timmermann, der Diskussion stellt. Die hier maßgeblich von der AbL gestaltete und von der Volkshochschule, der Stadtbibliothek sowie der Buchhandlung Ulenhus getragene Abendveranstaltung (Beginn 19.30 Uhr) führt zur Diskussion um Probleme und Lösungsansätze in der Fleischindustrie in der Volkshochschule Papenburg, Hauptkanal re. 72 den Krimiautor Wolfgang Schorlau zusammen mit
• Kerstin Lanje als VertreterIn von des katholischen Hilfswerks „Misereor",
• Jochen Empen und seinen Erfahrungen aus dem Beratungsstellennetzwerk der „Fairen Mobilität",
• dem Landesvorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und Milchbauern Ottmar Ilchmann und
• Joachim Timmermann, dem Geschäftsführer des Weidemark-Schlachthofes in Sögel.

Mit „Sögel" steht dabei auch die Frage im Raum: Konnten - und ggf. wie weit - die dort zwischen kommunaler Politik und der ansässigen Schachtindustrie getroffenen Verabredungen zu Arbeits- und Wohn-Mindeststandarts (das sog. „Sögeler Modell"; Infos dazu hier) die Lage der dort bei den Subunternehmen beschäftigten „Eimermenschen" wirklich verbessern?

Die Leitung der Diskussion übernimmt auch hier die Journalistin Christina Gerlach. Joachim Timmermann hofft in der Diskussion um die Zukunft seiner Heimatregion, in der auch viele der ihn beliefernden Schweinemastbetriebe arbeiten, ‚wenig geschoren davon zu kommen'.

Mit der Abschlussveranstaltung am 10. 12. in Essen (i.O.; 19 Uhr, Gaststätte „Am Rathaus") kommt die Veranstaltungsreihe zu den unmittelbaren Handlungsorten des Schorlau-Krimis.

Unter dem Titel „Entsendet & entrechtet in der Fleischindustrie, Teil II" ist hier die Frage, was seit einer ersten derartigen öffentlichen Veranstaltung in Essen vor rund zwei Jahren wirklich geändert wurde, Die Fragen „Was hat sich seit 2012 verändert? - Was muss geschehen?" wollen die Veranstalter diskutieren und haben dazu neben Spitzen der örtlichen Politik und Verwaltung und der staatlichen „Finanzkontrolle Schwarzarbeit" auch den Geschäftsführer von Danish Crown gewinnen können, dem Betreiber des Essener Schweine-Schlachthofs. Danish Crown, eine Genossenschaft getragen von in Dänemark produzierenden Schweinemastbetrieben, hat für seine Eigner in Deutschland besonders günstige Verarbeitungs- und Vertriebsbedingungen gefunden und sah sich in der Vergangenheit in der Verantwortung für ein erfolgreiches Wirtschaften und die Politik in der Pflicht, dort Regelungen zu treffen, wo sie Grenzen überschritten sieht.

Es diskutieren nach der Lesung mit Wolfgang Schorlau
• Matthias Brümmer, für die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten
• Clemens Große Macke, hier ansässiger Landtagsabgeordneter der CDU
• Georg Kettmann, der Bürgermeister von Essen
• Detlef Kolde für die örtliche SPD-Fraktion
• Mariya Krumova von der in Niedersachsen tätigen Beratungsstelle für mobile Beschäftigte
• Sten Sönnichsen, der Geschäftsführer von Danish Crown sowie
• Oliver Westphal vom Hauptzollamt Osnabrück

Diese breite Runde moderiert wiederum die mit der strittigen Materie bestens vertraute Christina Gerlach, der die Veranstalter bereits hier für ihren Einsatz für die Veranstaltungsreihe danken.

Die gesamte Veranstaltungsreihe wird organisiert von

  • den Arbeitnehmerorganisationen Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, dem vom DGB getragenen Beratungsnetzwerk Faire Mobilität und dem gewerkschaftlichen Bildungsverein Arbeit und Leben,
  • der Bauernorganisation Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und
  • der Erwerbslosenorganisation Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg.

Anfragen bitte an Matthias Brümmer (NGG, T. 0441 2488091, Mobile: 0160 4716206), Guido Grüner (ALSO, T. 0441 24 88 038) oder Ottmar Ilchmann (AbL, T. 04967 334, Mobile: 0176/45000760)

tl_files/agrarwende/content/Termine/Lesungen Krimi Fleischindustrie/Schorlau_2_hfweb.jpgZum Autor:
Wolfgang Schorlau lebt und arbeitet als freier Autor in Stuttgart. Neben den sechs »Dengler«-Krimis Die blaue Liste (KiWi 870), Das dunkle Schweigen (KiWi 918), Fremde Wasser (KiWi 964), Brennende Kälte (KiWi 1026), Das München-Komplott (KiWi 1114) und Die letzte Flucht (KiWi 1239) hat er den Roman Sommer am Bosporus (KiWi 844) veröffentlicht und den BandStuttgart 21. Die Argumente (KiWi 1212) herausgegeben. 2006 wurde er mit dem Deutschen Krimipreis und 2012 mit dem Stuttgarter Krimipreis ausgezeichnet.

Bild © Bettina Fürst-Fastré

« Zurück

Aktuelles

Handwerkeraufruf zur Demo WIR HABEN ES SATT

Die soziale und die ökologische Frage zusammen bringen, ABER wie? Lest gern nachstehenden Handwerkeraufruf …

Weiterlesen »

Demo, 21.1., Berlin: Agrarkonzerne: Finger weg von unserem Essen!

tl_files/agrarwende/content/aktuelles/WHES/WHES Demo 2017/Mail-Anhang.jpg
Am 21. Januar demonstrieren wir – Bäuerinnen und Bauern, LebensmittelhandwerkerInnen und kritische KonsumentInnen – zum siebten Mal gemeinsam für gesundes Essen, eine bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft und fairen Handel. Im Jahr der Bundestagswahl wollen wir die Agrar- und Ernährungswende zum zentralen politischen Thema machen. Bist du dabei?

Weiterlesen »