Tierschutz für landwirtschaftlich genutzte Tiere

Samstag, 06.10.2018, 11.00 Uhr bis 18.00 Uhr

Landwirtschaftlich genutzte Tiere – wir sind in der Verantwortung

„ Dass das Wort „Tierschutz“ geschaffen werden musste, ist wohl eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung – gewiss nicht die einzige!“ Theodor Heuss, aus:  Grußwort zum  Welttierschutztag 1951 – (veröffentlicht im Tierfreund, Dtsch. Tierschutzbund, Sept.1951, Nr.9, S.3)

Seit dem Zitat von Theodor Heuss 1951 bis zur Staatszielbestimmung Tierschutz im Grundgesetz 2002 sind 51 Jahre vergangen. Obwohl damit endlich sowohl für die jeweilige Regierung als auch für die Zivilgesellschaft die Verpflichtung festgeschrieben wurde, den Schutz der Tiere zu gewährleisten, sie als Mitgeschöpfe zu achten, ihre arteigenen Bedürfnisse zu respektieren und Schmerzen, Leiden  und Schäden von ihnen fern zu halten, werden Tiere, insbesondere landwirtschaftlich genutzte Tiere nach wie vor für unsere Interessen ausgebeutet und gequält.

Die Bundeslandwirtschaftsminister der letzten Regierungen, haben nicht gerade dazu beigetragen, dies zu verändern. Ganz im Gegenteil, die Interessen der Nutzer, also wirtschaftliche Interessen, rangieren nach wie vor an erster Stelle. Tierschutz oder Tierrecht wird seitens der Politik eher als Luxus angesehen, den sich eine Gesellschaft nach allen anderen Bedarfen leisten können muss.

Gerade erst haben wir nach einem halben Jahr der Diskussionen und Sondierungen eine neue Bundesregierung erhalten. Nach dem Koalitionsvertrag von SPD und CDU/CSU ist davon auszugehen, dass Umstrukturierung der Landwirtschaft und Tierschutz auch in der nächsten Legislaturperiode unter Federführung der Unionsparteien eine  marginale Rolle spielen werden. Das bedeutet aber auch, dass in den kommenden Jahren nicht mit grundsätzlichen Verbesserungen der Lebensbedingungen der landwirtschaftlich genutzten Tiere zu rechnen sein wird.

Nur wenn der Druck durch die Zivilgesellschaft erhöht werden kann, könnten möglicherweise dringliche Veränderungen in der Tierhaltung auf den Weg gebracht werden. Dazu gehört aus unserer Sicht unter anderem eine Überarbeitung und Neuausrichtung des Tierschutzgesetzes und der Tierschutznutztierhaltungsverordnungen. Für solche Tierarten, deren Haltung bis heute immer noch keinen Regelungen unterliegen, müssen dringend Tierschutznutztierhaltungsverordnungen nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen erstellt werden. Zuchtziele sind grundsätzlich neu zu definieren. Tierzahlobergrenzen sollten festgelegt und eine wahrheitsgemäße staatliche Kennzeichnung muss schnellst möglich eingeführt werden. Außerdem ist aus unserer Sicht dringend ein Zeitziel für den endgültigen Ausstieg aus der routinemäßigen Behandlung von Masttieren mit Antibiotika und Hormonen aus rein ökonomischen oder arbeitstechnischen Gründen festzulegen. Bei Tiertransporten, insbesondere von Schlachttieren über die EU Grenzen hinweg in sogenannte Drittländer,  können die EU-Tierschutzvorgaben und Standards nicht gewährleistet werden. Diese Transporte sind de facto nicht kontrollierbar und müssen deshalb verboten werden. Der Tierschutzvollzug wird auch durch strukturelle Probleme erschwert. So ist z.B. der Tierschutz in Bund und Bundesländern bei den für Landwirtschaft zuständigen Ministerien angesiedelt. Die Interessenkonflikte befinden sich schon innerhalb der Ministerien. Viel sinnvoller wäre es, die Belange des Tierschutzes, ebenso wie auch die des Natur- und Umweltschutzes, durch eigens dafür zuständige Ministerien vertreten zu lassen.

Alles das sind Themen, die uns unter den Nägeln brennen und die wir dringend mit Ihnen diskutieren möchten.

Wir sind gefordert Rezepte zu entwickeln, wie man die Vision einer multifunktionalen Landwirtschaft, die statt Schaden anzurichten für Mensch, Tier, Natur und Umwelt von großem Nutzen ist, erreichen und auch politisch durchsetzen kann. Das wird die zukünftige Regierung aller Voraussicht nach nicht aus sich heraus bereit sein zu leisten. Es braucht den Druck der Zivilgesellschaft.

Alles, was bis heute im Tierschutz erreicht wurde, ist maßgeblich von NGO´s ,Vereinen und Verbänden , die sich den Schutz der Tiere auf die Fahnen geschrieben haben, mit auf den Weg gebracht worden. Nicht zuletzt weil sie es waren, die die Debatte darüber in die Gesellschaft getragen und damit zu einem veränderten Mensch/ Tierverhältnis beigetragen haben.

Jetzt ist es an der Zeit, Kräfte zu bündeln, gemeinsam Ziele zu definieren und auch von der Politik einzufordern. Nur gemeinsam sind wir stark!

Auch wenn nicht alle Vereine und Verbände  in ihren Vereinszielen deckungsgleich sind, sollte uns das nicht davon abhalten zusammenzustehen. Gemeinsames Handeln über Vereinsgrenzen, Partei- und Ländergrenzen hinweg ist notwendiger denn je! Nicht die Unterschiede sind hervorzuheben, sondern die Gemeinsamkeiten sollten uns dazu bringen, eine gemeinsame Strategie für den Schutz der Tiere zu entwickeln. Schutz der landwirtschaftlich genutzten Tiere bedeutet gleichzeitig Natur-, Umwelt- und Klimaschutz!

Wir sind es den Tieren und auch unseren Enkeln schuldig! -  Wenn die Politik versagt, sind wir in der Verantwortung! Wenn nicht wir, wer denn dann?

Deshalb möchte der Verein „Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft e.V.“ Vertreter von allen Vereinen, NGO´s  und Verbänden, die im Tierschutz tätig sind, zu einem ersten Zusammentreffen und zu einer Art  Sondierungsgespräch einladen. Angedacht dafür ist das erste Wochenende im Oktober. Als erstes Ziel visieren wir an, eine gemeinsame Resolution oder einen offenen Brief mit Forderungen öffentlichkeitswirksam an die Bundesregierung zu senden und darüber hinaus zu entscheiden, ob und in welcher Konstellation und Form wir auch zukünftig zusammenarbeiten könnten, um schlagkräftiger zu sein und auch zu bleiben. Dazu könnte auch gehören, eine verstärkte Zusammenarbeit mit Medienvertretern zu organisieren und über Ländergrenzen hinweg  EU-weit eine Vernetzung mit Organisationen gleicher Zielsetzung zu starten."

Datum: 06.10.2018

Zeit: 11:00  - 18:00 Uhr

Ort: Raschplatzpavillon, Hannover

Anmeldung: bis zum 1. August 2018 unter CPreussUeberschaer@googlemail.com 

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